ZBSM-Geigerin Sophie Branson gibt zwei ausverkaufte Konzerte in der Tonhalle Zürich mit dem Zürcher Symphoniker Orchester

Am 23. und 26. Dezember gab die 19-jährige Geigerin Sophie Branson zwei ausverkaufte Konzerte im Rahmen der Konzertreihe The Grand Christmas Concert in der Tonhalle Zürich. Sie trat mit den Zürcher Symphonikern unter der Leitung von Heiko Mathias Förster auf. Auf dem Programm stand Felix Mendelssohns Violinkonzert e-Moll.

Sophie Branson, Violine, beim ausverkauften Konzert in der Tonhalle Zürich

Sophie Bransons Auftritt war ein wahrer Triumph. Nach den letzten Akkorden erhob sich das Publikum von seinen Plätzen und belohnte die Solistin mit lang anhaltenden, begeisterten Standing Ovations. Dieses Konzert kann mit Recht als eines der besten ihrer bisherigen Konzertlaufbahn bezeichnet werden. Sophie spielte mit voller emotionaler Hingabe: Ihr Klang vereinte Transparenz und Leichtigkeit mit Fülle, silbriger Brillanz, Zartheit und einem Gefühl des Schwebens – Qualitäten, die für Mendelssohns romantische Tonsprache wesentlich sind. Makellose technische Präzision und fein ausgearbeitete Passagen unterstrichen zusätzlich die künstlerische Reife ihrer Interpretation.

Die Vorbereitung auf das Konzert dauerte rund drei Monate. Sophie begann im Oktober gemeinsam mit ihrer Geigenlehrerin Liana Tretiakova, Gründerin der Zakhar Bron School of Music in Zürich, an dem Konzert zu arbeiten. Bereits Anfang Dezember führte sie das Werk vollständig in Sofia (Bulgarien) auf, und nur drei Wochen später stand sie auf der Bühne der Tonhalle Zürich. Der Probenplan mit dem Orchester war dabei äusserst knapp bemessen und umfasste lediglich zwei Proben: eine Generalprobe zwei Tage vor dem Konzert sowie eine akustische Probe unmittelbar vor der Aufführung.

Mendelssohns Violinkonzert e-Moll: Geschichte und Aufführungstradition

Mendelssohns Violinkonzert gehört zu Recht zum goldenen Kanon des weltweiten Violinenrepertoires und stellt einen wesentlichen Meilenstein in der professionellen Entwicklung jeder Geigensolistin und jedes Geigensolisten dar. Das Werk verlangt absolute technische Meisterschaft sowie eine aussergewöhnlich breite klangliche Palette, um die feinsten emotionalen Zustände und inneren Regungen der Epoche der Hochromantik zum Ausdruck zu bringen.

Über viele Jahrzehnte hinweg wurde das Konzert in Bearbeitungen herausragender Geiger des 20. Jahrhunderts – darunter David Oistrakh, Yehudi Menuhin und andere – aufgeführt, die alternative Stricharten zur Erleichterung der Ausführung vorschlugen. In den letzten Jahren ist jedoch eine Rückkehr zum Urtext zu beobachten – zur originalen Partitur Mendelssohns mit authentischer Artikulation und originalen Strichbezeichnungen. Die Aufführung des Konzerts in dieser ursprünglichen Fassung ist deutlich anspruchsvoller, da sich Spieltechnik, Instrumente und Saiten in der Mitte des 19. Jahrhunderts – damals ausschliesslich Darmsaiten – wesentlich von den heutigen unterschieden.

Das Konzert wurde von Felix Mendelssohn zwischen 1838 und 1844 für seinen engen Freund, den bedeutenden Geiger Ferdinand David, komponiert. Die Uraufführung fand am 13. März 1845 im Gewandhaus zu Leipzig statt, wo Mendelssohn zu jener Zeit als Musikdirektor wirkte und persönlich bei der Erstaufführung anwesend war.

Sophie & die Tonhalle Zürich: Vom Debüt zur künstlerischen Reife

Für Sophie Branson stellten diese Konzerte ihren vierten und fünften Auftritt in der legendären Tonhalle Zürich dar – zugleich ihren dritten Auftritt dort im Jahr 2025. Ihre ersten beiden Konzerte auf dieser Bühne gab sie im Dezember 2022 im Alter von nur 16 Jahren, ebenfalls mit demselben Orchester und Dirigenten, vor vollständig ausverkauftem Haus. Damals interpretierte sie Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert Nr. 3 G-Dur.

Sophies drittes Konzert in der Tonhalle fand Anfang März dieses Jahres statt, als sie bereits 18 Jahre alt war, und präsentierte ein aussergewöhnlich ambitioniertes Programm. Sie spielte Johannes Brahms’ Violinkonzert D-Dur mit dem Bodensee Philharmonie Orchester (Konstanz) unter der Leitung seines künstlerischen Direktors, Maestro Gabriel Venzago. Dieses Konzert gilt als einer der Gipfel des Violinenrepertoires und wird üblicherweise von reifen, erfahrenen Künstlerinnen und Künstlern aufgeführt. Für eine 18-jährige Musikerin stellte es eine grosse Herausforderung dar – eine Herausforderung, der Sophie mit grossem Erfolg begegnete und dabei eine bemerkenswerte musikalische Reife unter Beweis stellte.

Kommentar von Liana Tretiakova, Sophies Geigenlehrerin

Sophie Branson und ihre Geigenlehrerin Liana Tretiakova

„Sophie begann im Jahr 2010 bei mir zu studieren, als sie noch nicht einmal vier Jahre alt war. In den sechzehn Jahren unserer gemeinsamen Arbeit hat sie sich bis zum Niveau einer jungen Solistin entwickelt, die mit Konzerten in ganz Europa auftritt. Ich freue mich sehr, dass sich ihr musikalisches Talent voll entfalten konnte und vom Publikum so herzlich gewürdigt wird.

Meiner Ansicht nach zeugen drei ausverkaufte Konzerte in der Tonhalle innerhalb eines Jahres von der Anerkennung ihrer geigerischen Kunst und markieren den Beginn eines ernsthaften solistischen Karrierewegs. Von Herzen wünsche ich Sophie grosse Auftritte auf den bedeutendsten Bühnen der Welt sowie die Zusammenarbeit mit führenden Orchestern.“

Foto: Schlomo Aschkenasy (1), Benjamin Branson (2) und Pavel Shudnev (3)

Tags: Liana Tretiakova, Sophie Branson, Tonhalle Zürich

Kategorien: Konzerte mit Orchester